Kann man ein Elektroauto bei Regen laden? Ratgeber für sicheres Laden im Freien
Ist es sicher, ein Elektroauto bei Regen zu laden? Wir erklären leicht verständlich, was die Schutzart IP65 bedeutet, worauf Sie beim Laden auf dem offenen Stellplatz und im Garten achten sollten und worauf es bei der Installation im Außenbereich ankommt.
Sobald der Herbstregen einsetzt, stellen sich Besitzerinnen und Besitzer von Elektroautos dieselbe Frage: „Kann ich mein Fahrzeug anschließen, während es regnet?“ Für alle, die keine geschlossene Garage haben und ihr Auto auf einem offenen Stellplatz, im Garten oder am Straßenrand laden, ist das eine völlig berechtigte Frage. Schließlich treffen hier Wasser auf der einen und hohe Ströme auf der anderen Seite aufeinander.
Die kurze Antwort: Ja, mit der richtigen Ausrüstung und der richtigen Installation lässt sich ein Elektroauto auch bei Regen laden. Entscheidend sind dabei allerdings genau diese beiden Punkte – „richtige Ausrüstung“ und „richtige Installation“. In diesem Ratgeber erklären wir Schritt für Schritt, wie ein Ladesystem gegen Wasser geschützt ist, was Schutzarten wie IP65 bedeuten und worauf Sie beim Laden im Freien achten sollten.
Warum gilt das Laden bei Regen als sicher?
Ladesysteme für Elektrofahrzeuge werden von vornherein für den Einsatz im Freien ausgelegt. Für die Sicherheit sorgt dabei nicht ein einzelnes Bauteil, sondern mehrere Ebenen, die sich gegenseitig ergänzen:
- Ohne hergestellte Verbindung fließt kein Strom: Beim AC-Laden kommunizieren Ladegerät und Fahrzeug zunächst miteinander. Erst wenn der Stecker vollständig im Fahrzeug sitzt und die Verbindung bestätigt ist, wird Ladestrom auf das Kabel gegeben. Die Kontakte des Steckers, den Sie in der Hand halten, stehen also nicht unter Spannung, solange er nicht im Fahrzeug steckt.
- Aufbau von Stecker und Ladebuchse: Bei der Typ-2-Verbindung liegen die Kontakte versenkt im Inneren des Gehäuses. Ist die Verbindung hergestellt, liegen die Kontaktstellen nicht mehr offen zur Umgebung.
- Fehlerstromschutz: Im Fall eines Fehlerstroms den Stromkreis zu unterbrechen, ist Aufgabe der Schutzeinrichtungen sowohl im Ladegerät als auch in der Elektroinstallation.
- Schutzart des Gehäuses: Das Gehäuse von Ladegeräten, die für den Außenbereich geeignet sind, verfügt über eine bestimmte Schutzart (IP) gegen Staub und Wasser.
Wenn all diese Ebenen zusammenwirken, ist das Laden bei Regenwetter ein alltäglicher und ganz normaler Anwendungsfall. Probleme entstehen in der Regel nicht durch den Regen selbst, sondern durch ungeeignete Ausrüstung, ein beschädigtes Kabel oder eine nachlässig ausgeführte Installation.
Was bedeutet IP65? So lesen Sie die Schutzart
Der IP-Code (Ingress Protection), den Sie in den technischen Daten von Ladegeräten finden, gibt an, wie gut das Gerätegehäuse gegen Fremdkörper und Wasser geschützt ist. Der Code ist in der Norm IEC 60529 definiert und besteht aus zwei Ziffern:
| Ziffer | Was gibt sie an? | Bedeutung am Beispiel IP65 |
|---|---|---|
| Erste Ziffer (6) | Schutz gegen Fremdkörper und Staub | Staubdichtes Gehäuse |
| Zweite Ziffer (5) | Schutz gegen Wasser | Schutz gegen Strahlwasser aus allen Richtungen |
Ein Detail sollte man dabei nicht übersehen: IP65 bedeutet nicht, dass das Gerät untergetaucht werden darf. Die Schutzart beschreibt einen Schutz bei Regen, Spritzwasser und Strahlwasser; in einer Pfütze zu liegen oder direkt mit dem Hochdruckreiniger abgespritzt zu werden, fällt nicht darunter.
Bei WiseCar verfügen die in unserem Shop erhältliche Wallbox WiseCar WTL und das mobile Ladegerät WiseCar WTP3 über die Schutzart IP65 und sind für den Einsatz im Innen- und Außenbereich ausgelegt. Beide Modelle besitzen ein mehrstufiges Schutzsystem mit Überstromschutz, Über- und Unterspannungsschutz, Übertemperaturschutz und Fehlerstromschutz.
7 Punkte, auf die Sie beim Laden im Regen achten sollten
1. Legen Sie den Stecker nicht auf den Boden
Wer den Stecker nach dem Laden auf nassem Boden oder in einer Pfütze ablegt, riskiert, dass Wasser und Schmutz eindringen. Hängen Sie den Stecker immer in seine Halterung oder in einen Kabelhalter; zeigt die Öffnung nach unten, kann sich im Inneren kein Wasser sammeln.
2. Werfen Sie vor dem Einstecken einen kurzen Blick darauf
Befinden sich im Stecker sichtbar Wasser, Schmutz oder Laub, reinigen und trocknen Sie ihn. Diese Kontrolle dauert nur wenige Sekunden, erhält die Kontaktqualität und beugt unnötigen Fehlermeldungen vor.
3. Verwenden Sie kein beschädigtes Kabel
Ein Kabel, dessen Mantel rissig, gequetscht oder aufgescheuert ist, stellt auch bei trockenem Wetter ein Risiko dar; bei Regen steigt dieses Risiko. Überprüfen Sie Kabel und Stecker regelmäßig und verwenden Sie sie nicht weiter, sobald Sie einen Schaden feststellen.
4. Lassen Sie die Kontrollbox des mobilen Ladegeräts nicht im Wasser liegen
Bei mobilen Ladegeräten liegt die Steuereinheit im Kabel meist auf dem Boden. Auch wenn das Gerät IP65 hat, sollte die Einheit nicht in einer Pfütze liegen. Platzieren Sie sie nach Möglichkeit erhöht und hängend. Wenn Sie das WTP3 nutzen, ist die Wandhalterung dafür eine praktische Lösung.
5. Die eigentliche Schwachstelle ist meist die Steckdose
Das Gehäuse Ihres Ladegeräts mag geschützt sein – aber wie sieht es mit der Steckdose aus, an der es hängt? Auch eine im Freien genutzte Steckdose muss für den Außenbereich geeignet, mit Klappdeckel versehen und geschützt ausgeführt sein. Eine gewöhnliche Mehrfachsteckdose, die durch einen Fensterspalt aus dem Haus nach draußen geführt wird, ist bei Regenwetter das riskanteste Glied des Systems.
6. Verwenden Sie nicht irgendein Verlängerungskabel
Haushaltsübliche Kabeltrommeln mit geringem Leiterquerschnitt können sich unter Dauerlast erwärmen; zudem sind ihre Steckverbindungen ungeschützt gegen Wasser. Wenn Sie eine Verlängerung benötigen, wählen Sie ein Produkt, das für das Laden hergestellt wurde und dessen Querschnitt und Strombelastbarkeit angegeben sind, und halten Sie die Steckverbindung erhöht über dem Boden an einem regengeschützten Ort. Ausführlicher gehen wir auf dieses Thema in unserem Beitrag Die 7 größten Ladefehler von Elektroauto-Besitzern ein.
7. Ignorieren Sie Fehlermeldungen nicht
Wenn Ihr Ladegerät oder Ihr Fahrzeug den Ladevorgang abbricht und einen Fehler meldet, zeigt das in den meisten Fällen, dass das Schutzsystem seine Aufgabe erfüllt. Versuchen Sie es nicht immer wieder, sondern trennen Sie die Verbindung und überprüfen Sie Stecker und Steckdose; besteht das Problem weiter, wenden Sie sich an den technischen Support.
Worauf ist bei der Installation im Außenbereich zu achten?
Wenn Sie Ihr Fahrzeug regelmäßig im Freien laden möchten, wird ein großer Teil der Sicherheit bereits bei der Installation festgelegt:
- Eigene Zuleitung und passender Schutz: Für das Ladegerät sind eine separate Zuleitung, eine geeignete Absicherung, ein Fehlerstromschutz und eine einwandfreie Erdung unerlässlich. An einer Installation ohne Erdung oder ohne Messung der Erdung sollte im Außenbereich nicht geladen werden.
- Montageort: Platzieren Sie das Gerät oberhalb des Bodenniveaus, auf dem sich Wasser sammeln kann, und möglichst an einer Stelle, die den direkten Niederschlag verringert, etwa unter einem Dachvorsprung. Steht keine Wand zur Verfügung, ist die Installation mit einem Standfuß möglich.
- Kabeleinführungen: Am leichtesten gelangt Wasser meist nicht über das Gehäuse, sondern über die Kabeleinführungen in das Gerät. Kabelverschraubungen und Kabelkanäle müssen sauber ausgeführt sein.
- Zusätzlicher Schutz: An völlig ungeschützten Stellen, die Sonne, Regen und Stößen ausgesetzt sind, verlängert es die Lebensdauer des Ladegeräts, es zusätzlich in einem Gehäuse unterzubringen. Das WiseCar IP65-Schutzgehäuse ist ein für diesen Zweck entwickeltes, UV-beständiges Außengehäuse.
- Professionelle Installation: Überlassen Sie die Elektroinstallation einer qualifizierten Elektrofachkraft. In den Provinzen, in denen der Service angeboten wird, können Sie den WiseCar Montageservice in Anspruch nehmen.
Wann sollten Sie nicht laden?
Regen allein ist kein Grund, das Laden zu verschieben; in manchen Situationen ist es jedoch besser zu warten:
- Überschwemmung oder tiefe Pfützen: Laden Sie nicht, wenn Steckdose, Ladegerät oder Kabelverbindungen im Wasser liegen.
- Beschädigte Ausrüstung: Bei einem gebrochenen Stecker, einem aufgescheuerten Kabel oder einer Steckdose, deren Deckel nicht schließt, ist zuerst eine Reparatur nötig.
- Schwerer Sturm und Gewitter: Bei Gewitter kann es im Stromnetz zu plötzlichen Spannungsschwankungen kommen. Ist das Laden nicht dringend, ist es vernünftig, das Unwetter abzuwarten.
- Installation mit zweifelhafter Erdung: Laden Sie an einer unbekannten Steckdose, insbesondere im Freien, nicht, wenn Sie sich der Erdung nicht sicher sind.
Wenn Sie wissen möchten, was sich in den Wintermonaten beim Laden und bei der Reichweite ändert, werfen Sie auch einen Blick in unseren Beitrag Warum sinkt die Reichweite von Elektroautos im Winter?.
Häufig gestellte Fragen
Ist es gefährlich, das Ladekabel bei Regen ein- und auszustecken?
Bei intakter, normgerechter Ausrüstung steht der Stecker erst unter Spannung, wenn er mit dem Fahrzeug verbunden und die Kommunikation hergestellt ist. Das Ein- und Ausstecken bei Regen ist daher ein ganz normaler Vorgang. Achten Sie dennoch darauf, dass kein Wasser in den Stecker läuft, und beenden Sie den Ladevorgang zuerst am Fahrzeug oder am Gerät.
Kann ein IP65-Ladegerät dauerhaft Schnee und Regen ausgesetzt sein?
IP65 steht für den Schutz gegen Staub und gegen Strahlwasser aus allen Richtungen und ist eine für den Außenbereich geeignete Schutzart. Untertauchen oder das Abspritzen mit Wasser unter Hochdruck fallen jedoch nicht darunter. Bei Geräten, die dauerhaft im Freien stehen, verlängert die Montage unter einem Dachvorsprung oder ein Schutzgehäuse die Lebensdauer.
Kann ich das Fahrzeug waschen, während es lädt?
Das ist nicht zu empfehlen. Vor allem Wasser unter Hochdruck wirkt ganz anders als Regen und sollte nicht direkt auf den Ladeanschluss und den Stecker gerichtet werden. Beenden Sie vor dem Waschen den Ladevorgang und ziehen Sie das Kabel ab.
Was soll ich tun, wenn der Ladeanschluss innen nass wird?
Trocknen Sie Anschluss und Stecker vorsichtig mit einem trockenen, sauberen Tuch und stellen Sie anschließend die Verbindung her. Meldet das Fahrzeug oder das Gerät einen Fehler, erzwingen Sie nichts; folgen Sie den Hinweisen in der Betriebsanleitung Ihres Fahrzeugs.
Fazit
Ein Elektroauto bei Regen zu laden ist mit der richtigen Ausrüstung und der richtigen Installation sicher. Wenn ein Ladegerät mit einer für den Außenbereich geeigneten Schutzart, ein intaktes Kabel, eine geschützte Steckdose, ein Fehlerstromschutz und eine geerdete Installation zusammenkommen, müssen Sie Ihre Laderoutine an einem verregneten Abend nicht ändern. Worauf Sie achten sollten, ist einfach: Lassen Sie den Stecker nicht auf dem Boden liegen, verwenden Sie keine beschädigte Ausrüstung und lassen Sie die Installation vom Fachmann ausführen.
Wenn Sie bei der Auswahl eines Ladegeräts für den Außenbereich oder bei der Entscheidung über den Montageort Fragen haben, können Sie sich die WiseCar Produkte ansehen oder sich unter der Nummer 444 999 1 vom WiseCar Callcenter beraten lassen.
Dieser Inhalt dient der allgemeinen Information. Die Sicherheitshinweise in der Betriebsanleitung Ihrer Ladeausrüstung und Ihres Fahrzeugs sowie die geltenden Vorschriften für Elektroinstallationen haben stets Vorrang.